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Neue Steinzeit

Vorgärten sind die Aushängeschilder des Hauses. Sie sollen sauber und aufgeräumt aussehen, aber möglichst wenig Arbeit machen. Der Trend zu Kies und Schotter mit nur wenigen oder gar keinen Pflanzen ist in vielen Kommunen unübersehbar. Ein Trend mit negativen Folgen für Tiere, Menschen und Klima.

Im Frühling beschäftigt Deutschland wieder, was längst zu einem Politikum geworden ist. Schotter oder Natur? Sein oder nicht Sein von Pflanzen und Tieren.

Was für die einen Arbeitserleichterung, Ästhetik und Modernität verkörpert, wird bei der Erstellung einiger Bebauungspläne für Neubaugebiete bereits aufs Schärfste diskutiert – zu Recht, wie wir finden. Schottergärten, Steinwüsten oder „Gärten des Grauens“ – neben der Geschmacksfrage sind es hauptsächlich Umweltgründe die hier dagegensprechen.

Kein Platz für die Natur.

Eigentlich sollten diese Kiesflächen gar nicht als "Garten" bezeichnet werden dürfen. Bei der Anlage eines Schotter"gartens" wird nach dem Humusabtrag eine Folie verlegt, auf der eine dicke Schicht Gestein verteilt wird. Basalt, Marmor, Gletscherkies, Granit oder Quarz – da schafft es nicht mal das robusteste Kraut hindurch. Abgesehen von der biologischen Ödnis und dem Verlust der Bodenfruchtbarkeit, werden so ohne Not weitere Flächen versiegelt und stehen zur Versickerung von Regenwasser einfach nicht zur Verfügung. Hinzu kommt, dass – wenn überhaupt etwas Grünes erwünscht ist – häufig auf Neophyten zurückgegriffen wird, die oft keine ökologische Funktion haben, weil sie meist Tieren weder Nahrung noch Unterschlupf bieten. Die Steine stammen im Übrigen auch nicht aus dem heimischen Steinbruch, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit aus China oder Indien.

Oft sind es Neubausiedlungen, die statt zu grünen Oasen für Mensch und Tier zu wahren Steinwüsten verkommen. Ökologisch tot in verschiedenen Grautönen kommen sie daher, wobei mit Steinen gefüllte Gitter als Umzäunung wohl die Krönung des Nicht-Gärtnerns darstellen. Die Farbnuancen reichen von Weiß, Grau gesprenkelt bis Schwarz. Auch ausgefallenes Rosa oder Orange ist möglich. Zeit, die echte Gärtner fürs Unkrautjäten, Rasenmähen oder Laubharken „vergeuden“, können Steingartenbesitzer dazu nutzen, schon mal die passenden Pestizide auszuwählen, die sie nach ein paar Jahren zur Entmoosung ihrer Endmoränenlandschaft einsetzen können. Heimlich natürlich, denn die Anwendung im Gartenbereich ist ja verboten.

Während der vor Jahren geborene Kiesel-Trend wild um sich greift, melden sich immer mehr Gegner zu Wort. Doch der Kampf ums Grün ist zermürbend. Umweltschützer und grüne Abgeordnete stehen Eigenheimbesitzern gegenüber, die sich gegängelt und entmachtet fühlen. Schließlich handele es sich um ihren eigenen Grund und Boden. Was diese Menschen aber verkennen: "Eigentum verpflichtet". Die Pflicht der Hauseigentümer besteht darin, die Natur zu erhalten. Schotter"gärten" sind reinste Umweltzerstörung und ein Armutszeugnis.

Schotter-Verbot für Vorgärten.

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Insektenschwundes ist das Verbot eine notwendige Konsequenz. Auch Vorgärten und kleine Grünflächen haben eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima. Sie sind Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Säugetiere und Vögel. Die Pflanzen filtern Feinstaub aus der Luft, produzieren Sauerstoff und sorgen zusammen mit dem Boden für Abkühlung.

Bis dahin appellieren wir an alle Gartenbesitzer, Blumenwiesen zu säen, statt Splittwüsten aufzuschütten und wünschen uns Schmetterlinge statt Steinbrüche und Nistplätze für Vögel, Igel und Wildbienen.

Wir fordern ein endgültiges Verbot dieser denaturierten Steingärten.

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